Zwei Technologie-Zahlen, die zusammen ein Problem beschreiben:
Im S&P 500 wiegt der Technologiesektor (Information Technology + Communication Services) heute rund 47,7 % – fast die Hälfte des gesamten Index. Der Materials-Sektor, also Chemie, Baustoffe und Bergbau zusammen, kommt gerade einmal auf 1,8 %.
Im MSCI World ist das Bild etwas ausgewogener, aber im Kern dasselbe: Technologie liegt bei rund 38,3 %, Materials bei 3,3 %. Ein Zwanzigstel dessen, was der Tech-Sektor auf die Waage bringt.
Was diese Zahlen verschweigen: Ohne die Rohstoffe, die im Index kaum sichtbar sind, gäbe es die Technologie, die den Index dominiert, gar nicht. Kein Halbleiter ohne Silizium und Seltene Erden. Keine Batterie ohne Lithium und Kobalt. Kein Rechenzentrum ohne Kupfer für jede einzelne Leitung darin. Die Basis trägt die Spitze – und wird an der Börse trotzdem wie eine Randnotiz behandelt.
Das ist kein Naturgesetz der Märkte, sondern eine Frage der Bewertung: Kapital fließt dorthin, wo Wachstum sichtbar und Fantasie handelbar ist. Rohstoffe liefern beides seltener – ihr Wert zeigt sich in dem, was aus ihnen entsteht, nicht im eigenen Kurs.
Dabei wächst gerade die Abhängigkeit von genau diesen Rohstoffen: KI-Infrastruktur, Elektromobilität und die Energiewende brauchen mehr Kupfer, mehr Lithium, mehr Seltene Erden als je zuvor. Die Nachfrageseite zieht an. Die Bewertung an den Kapitalmärkten hinkt hinterher.
Wie lange trägt eine Wirtschaft dieses Missverhältnis, bevor der Markt es einpreist?
PS: Den ersten Denkanstoß zu diesem Ungleichgewicht haben wir bei den Kolleg:innen von Commodity Capital AG gelesen – danke für den Impuls!
Für einen Austausch zu dieser Thematik stehe ich gerne zur Verfügung.
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